Montag, 11. März 2013

Raus aus der Zivilisation und auf nach Mai Chau

... und das im wahrsten Sinne des Wortes. Nach zwei Tagen in der zwar interessanten, quirligen Grossstadt Hanoi beschlossen wir, uns mal wieder in ein Abenteuer zu begeben. Das Ziel hiess Mai Chau, eine Dorfgegend in den Bergen suedlich von Hanoi. Doch erst einmal mussten wir den Reisebueros nacheinander klar machen, dass wir KEINE gefuehrte Tour buchen wollten, sondern einfach nur one way nach Mai Chau. Da sich dies eher als schwierig gestaltete, entschieden wir uns kurzerhand fuer die billigere, aber eben weniger komfortable Variante: Local Bus. Gegen 14.00 fanden wir uns am lokalen Bus Terminal My Dinh ein. Weit und breit keine westlichen Menschen und/oder Englisch sprechende Personen. Nichtsdestotrotz kamen wir mit 'Mai Chau, Mai Chau' dann doch in irgendeinen Bus, der dann auch wirklich in die Berge fuhr. Unterwegs sammelten wir immer wieder Menschen ein, die einfach am Strassenrand standen und auf den Bus warteten. Wenn kein Sitz mehr frei war, kein Problem, einfach in den Gang, stehend oder eben auf den Reissack. So einfach kann's gehen.
Gegen Abend erreichten wir nach einer traumhaften Kurvenfahrt durch die Berge noch mitten im Sonnenuntergang ueber den auftauchenden Reisfeldern das kleine Mai Chau. Bzw dachten wir das. Nachdem wir ein Guesthouse gefunden hatten, das nur uns beherbergte, lasen wir im Reisefuehrer, dass Mai Chau mehrere Doerfer mit einschliesst, darunter vor allen Dingen das etwas touristischer ausgelegre Ban Lac, 2km entfernt. Denn in dem 'Dorf', in dem wir gelandet waren, gab es weder ein Restaurant, noch eine Busstation. Geschweige denn Englisch sprechende Menschen.
Deshalb beschlossen wir am naechsten Morgen kurzerhand die Wanderschuhe anzuziehen, Rucksack auf und losmarschiert. Durch wirklich atemberaubende Landschaft, zwischen massiven Bergen, die sich im Wasser der Reisfelder spiegelten, kamen wir nach Ban Lac. Einem Dorf der weissen Thai, die hauptsaechlich in Stelzenhaeusern leben. Doch auch hier Fehlanzeige: Keine Touristen. Das Problem an der Sache sei hier einmal kurz ausgelegt: Wir mussten wirklich dringend herausfinden, wann unser Bus am Sonntag zurueck nach Hanoi faehrt, da wir unseren Flug nach Bangkok um 17.00 unter gar keinen Umstaenden verpassen durften. Laut Reisefuehrer faehrt naemlich nur einer um 5.00 und um 14.00 und braucht jeweils 4 Stunden.
Doch Sorgen konnten wir uns auch noch spaeter machen. Bei strahlendem Sonnenschein zog es uns in die Berge, sodass wir einfach weitermarschierten. Irgendwann hoerte dann war auch der Weg auf, aber was soll's. Wir hatten ja Wanderschuhe deutscher Qualitaet. Also weiter. Und nach kurzer Zeit schritten wir durch ein Reisfeld und lauschten fern klingenden Gesaengen. Waren das Moenche? Gab es dort ein Kloster? Doch je naeher wir kamen, desto klarer wurde uns... Moment: Da singt doch jemand Karaoke!? Und so war es dann auch. Und hier faengt der Tag dann eigentlich erst an... ich sage nur LEGENDAER und widme den folgenden Stunden einen eigenen Artikel.

Karaoke, Reisschnaps und vietnamesische Gastfreundschaft vom Feinsten

Als wir eben in besagtes Dorf einbogen, lugten wir um die Ecke und sahen einen Haufen Vietnamesen, die ins Mikrofon groelten. Unglaublich schraeg, unglaublich besoffen, aber unglaublich gluecklich. Mehrere Generationen gleichzeitig schienen ein riesiges Fest zu feiern und ploetzlich winkten sie uns einfach hinzu und setzten uns auf die Bank vor dem Fernseher, gaben uns Reiswein aus Bambusroehren und fuellten uns mit Reisschnaps ab. (Als ich am Abend dann mein Desinfektionsmittel benutzte, konnte ich dies sehr stark mit diesem Schnaps assoziieren...). Irgendwann hatten sie uns dann soweit, dass wir 'Father and Son' von Cat Stevens ins Mikro bruellten und uns in einem Haufen vietnamesischer Feierwuetigen befanden. Einige Minuten spaeter hatten wir dann auch ploetzlich traditionelle Roecke an und tanzten mit Kindern, Jugendlichen, Eltern und Grosseltern in einem Kreis. Das war mal eine Erfahrung sag' ich Euch. So nette Menschen auf einem Haufen, teilen alles mit uns und sind einfach nur wahnsinnig gluecklich. Mitten am Tag zu trinken und zu tanzen, irgendwo im Nirgendwo... Was gibt es Besseres? Pures Lebensgefuehl!
Danach schleppten sie uns dann auch noch zum lokalen Fussballderby. Geschossen wurde auf Tore (3 Bambusstabe, die auch merhmals zusammenbrachen...) und wir sassen gemeinsam mit den Frauen am Rand und johlten ud poebelten in vietnamesisch-deutscher Gemeinsamkeit. Gegen Spaetnachmittag verabschiedeten wir uns allerdings, um in der untergehenden Sonne noch zurueck zu laufen und anschliessend 2000 Stufen auf den Berg zu kraxeln. Trotz etwas vernachlaessigter Kondition und ubermaessigem Schweissuasbruch schafften wir es nach ganz oben und genossen einen herrlichen Ausblick uber ganz Mai Chau.
Danach hiess es nur noch: HUNGER. Mal wieder gab es Chicken und reis mit Sojasosse. Und ein Schafferbier. Dieses 'Festmahl' schmeckte besser, als man es soch vorstellen kann. Eine wahre Belohnung fuer einen irrsinnigen Tag. Laut Fremdenfuehrer (den wir Gott sei Dank zufaellig in Ban Lac trafen) faehrt der Bus nach Hanoi um 5.15, sodass wir nach einer kurzen Nacht fruehmorgens auf dem Markt standen (Busstation fehlend) und warteten. Und warteten. und warteten. Doch man glaubt es kaum, es ging alles gut. Um 9.30 kamen wir in Hanoi an und konnten ganz planmaessig unseren Flug nach Bangkok antreten. Jetzt sind wir dort auch in unserem Lieblingshostel Lub D angekommen und geniessen die Zivilisation.

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